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Da sein, wenn es still wird

Sterbebegleitung bei Tieren – ein persönlicher Blick auf Abschied, Liebe und Loslassen


Aktuell war ich Teilnehmerin in einem Seminar zum Thema Sterbebegleitung bei Tieren. Seitdem ist etwas leiser geworden in mir – und gleichzeitig auch lauter.

Es ging nicht nur um das Sterben. Sondern um Nähe. Um Verlust. Um Aushalten. Um das, was bleibt, wenn man nichts mehr „tun“ kann.

Ich merke, dass ich nicht nur mit Wissen aus diesem Seminar gehe.

Sondern mit Bildern., mit Fragen und jeder Menge Gefühlen.

Emotionen, die Angst und Ruhe, Hoffnung und Endgültigkeit gleichzeitig in sich tragen.



Sterben verstehen – zwischen Angst, Hoffnung und Realität

Der Tod ist etwas, der uns alle betrifft. und das Sterben wird sehr unterschiedlich betrachtet. Die einen sehen darin ein Ende, andere betrachten es als einen Neuanfang.

Tod und Sterben Sterben setzen wir oft gleich mit Verlust, Abschied, Schmerz und Kummer. Und es gibt auch noch andere Anteile.

Der Tod kann auch Erleichterung mit sich bringen. Für den, der geht –und für den, der bleibt.

Wenn ein Körper müde geworden ist, wenn große Schmerzen da sind, wenn das Leben mehr Anstrengung als Leichtigkeit geworden ist.

Dann kann Gehen auch etwas von Last nehmen.

Und oft ist es nicht entweder oder sondern beides gleichzeitig.

Schmerz und Erleichterung. Trauer und Ruhe.

Ein Festhalten wollen und ein leises Wissen, dass es gut ist, so wie es ist.

Diese Gleichzeitigkeit kann verwirrend sein. Manchmal auch schwer aushaltbar.

Weil wir gelernt haben, dass Trauer „rein“ sein sollte. Ohne andere Gefühle.

Doch das stimmt nicht. Gefühle dürfen nebeneinander existieren. Auch wenn sie sich widersprechen. Und vielleicht ist genau darin etwas sehr Menschliches:

dass wir lieben, festhalten, loslassen – und all das gleichzeitig fühlen können.


Der Sterbeprozess bei Tieren – nicht immer leise, nicht immer sanft

Sterben ist nicht immer leise. Manchmal ist es laut.

Damit ist nicht nur gemeint, dass es äußerlich unruhig sein kann .Sondern auch, dass im Körper noch einmal viel in Bewegung kommt.

Der Sterbeprozess ist vielfältig, nicht immer ist es ein sanftes Hinübergleiten.

Manchmal zeigt sich vorher noch einmal Energie, ein Aufbäumen, ein Unruhig werden.

Ein Wechsel zwischen Rückzug und Aktivität.

Für die begleitende Person kann das irritierend oder sogar beunruhigend wirken. Besonders dann, wenn man ein anderes Bild vom Sterben im Kopf hat.

Doch auch dies kann Teil dieses Prozesses sein.

Ein Körper, der loslässt, tut das nicht immer geradlinig. Und auch hier gilt: Es gibt kein „richtiges“ Sterben. Sondern nur das, was in diesem Moment geschieht.


Erinnerungen, Zweifel und Entscheidungen am Lebensende

Wenn wir unsere Tiere auf ihrem letzten Weg begleiten, werden wir mit ganz vielen unterschiedlichen Empfindungen konfrontiert.

Egal, ob wir uns für Euthanasie entscheiden oder für eine natürliche Sterbebegleitung –es ist immer eine große, tiefgehende Entscheidung.

Während ich der Referentin zugehört habe, spürte ich meine wachsende innere Unruhe.

Ein Zeichen dafür, dass da etwas in Bewegung gekommen ist, dass etwas in mir berührt wurde.

Unterschiedliche Gefühle, die sich vermischten und die ich nicht sofort einordnen konnte.

Natürlich kamen Erinnerungen. An all die Katzen, die ich begleitet habe.

An die kleine Mathilda, um deren Leben ich so gekämpft habe.

An Jimmy, dessen Herzschwäche leider zu spät entdeckt wurde.

An Adele, bei der ich mir so gewünscht hätte, dass sie noch eine Weile geblieben wäre.

Und an all die anderen.

Und immer wieder diese Fragen im Nachhinein:

Habe ich zu lange gewartet? Hätte ich etwas anders machen können? Wäre es besser gewesen, früher einzuschläfern? Oder wäre es besser gewesen, den natürlichen Sterbeprozess zuzulassen?

Ich weiß dass viele von uns sich diese Fragen schon gestellt haben.

Im Seminar habe ich zum ersten Mal die Sterbephasen in der Theorie kennengelernt. Und gleichzeitig gemerkt, wie ich sie in der Realität schon erlebt habe.

Die meisten von uns haben wahrscheinlich gar nicht so sehr Angst vor dem Tod. Aber eine große Angst vor dem Sterben, diesem Vorgang, selbst.


Sterbebegleitung bei Tieren – was wirklich zählt

Nähe, Wahrnehmung und Vertrauen

Hängen geblieben ist für mich etwas sehr Einfaches –und gleichzeitig etwas, das schwer sein kann:

Dass wir unseren Tieren in Ruhe eine Begleitung sein dürfen.

Dass wir nichts darstellen müssen. Nichts „richtig“ machen müssen.

Wir müssen unsere Trauer nicht verstecken, zum Weinen nicht den Raum verlassen. Unsere Tiere spüren, was in uns ist – ohnehin.

Wir dürfen flexibel sein in dem, was wir für sie tun, wir dürfen hinhören. Wirklich hinhören.

Denn nicht jedes Bedürfnis, das wir haben, ist auch ihres.

Unser Wunsch, sie zuzudecken, entspricht vielleicht nicht ihrem Bedürfnis.

Unser Impuls, ihnen Wasser einzuflößen, vielleicht auch nicht.

Manche Tiere wollen in ihrer letzten Zeit Nähe. Andere ziehen sich zurück.

Beides ist in Ordnung.

Und wir dürfen darauf vertrauen, dass sie uns zeigen, was sie brauchen – wenn wir bereit sind, hinzusehen.


Wissen als Halt in der Sterbebegleitung

Wo sich das theoretische Wissen und meine praktische Erfahrung einig sind:

Wissen, Vorbereitung und einen Plan zu haben, sind essentiell, um gut durch diese Zeit zu kommen und möglichst gute Entscheidungen treffen zu können.

Denn Entscheidungen, die aus Angst oder Überforderung heraus getroffen werden, sind meist keine guten Entscheidungen.

Es ist so wichtig, Veränderungen an unseren Tieren wahrzunehmen und diese ernst zu nehmen, im alltäglichen Zusammenleben – genauso wie im letzten Abschnitt ihres Lebens.

Je besser ich verstehe, was im Körper und in der Psyche meines Tieres passiert, desto ruhiger kann ich selbst bleiben. Und diese Ruhe gibt meinem Tier Sicherheit.


Wenn Tiere sterben – Schuldgefühle und Realität

Wir brauchen uns keine Vorwürfe zu machen, wenn sie gehen, während wir kurz den Raum verlassen.

Manche Tiere wählen diesen Moment. Manche warten, bis wir wieder da sind. Beides kommt vor. Ob ein Tier in unserer Anwesenheit geht oder in einem Moment, in dem wir kurz nicht da sind, sagt nichts darüber aus, wie stark die Beziehung war.

Und nichts darüber, ob wir „richtig“ oder „falsch“ gehandelt haben.


Abschied, Trauer und Rituale beim Verlust eines Tieres

Wir dürfen auch auf uns selbst achten. Wir dürfen uns Unterstützung holen und wir dürfen uns Zeit nehmen zu trauern.

Und vielleicht ist genau das einer der schwersten Schritte: Den Tod anzunehmen.

Zu akzeptieren, dass dieses Lebewesen nicht mehr in dieser Welt ist und hier auch nicht mehr hingehört. Und es dann bewusst gehen zu lassen. Wir dürfen Rituale finden, die uns dabei helfen.

Eine Beerdigung.

Eine Einäscherung.

Ein besonderer Platz.

Ein Brief.

Ein Moment des bewussten Abschieds.

Es gibt kein „richtig“ und kein „falsch“., sondern nur das, was sich für uns stimmig anfühlt.


Liebe, Schmerz und das, was bleibt

Vielleicht ist genau das, was bleibt:

Dass jeder bewusst gelebte gemeinsame Weg –und auch jeder bewusste Abschied – uns noch einmal näher zueinander bringt.

Dass er uns nicht nur mit unserem Tier verbindet, sondern auch mit uns selbst. Dass wir daran wachsen können.

Und dass wir dabei etwas spüren, das oft schwer auszuhalten ist –und gleichzeitig so wertvoll:

Diese tiefe Liebe.

Und diesen rohen Schmerz.


Denn beides gehört zusammen.

Tiefe Liebe lässt sich nicht fühlen, ohne auch den Schmerz zu berühren, der entsteht, wenn wir loslassen müssen.

Und vielleicht ist genau darin auch eine Erfahrung:

Dass wir fähig sind, beides auszuhalten.

Dass wir lieben können – und gleichzeitig den Schmerz tragen.

Dass beides nebeneinander da sein darf.


 
 
 

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